Takamatsu Toshitsugu

Die Familie Takamatsu

Die Takamatsus kamen ursprünglich aus Matsugashima in Ise. Der Vater von Takamatsu Toshitsugu, Takamatsu Yasaburo, besaß eine Streichholzfabrik in Kobe. Wie es scheint, verfügte die Familie über Verbindungen zum Tempel Amatsu und erhielt von Fujiwara Toshihiro ein Pergament (makimono) mit dem Titel „Amatsu Tatara“. Dem Vater von Takamatsu wurde außerdem der Lehrergrad für Shugendo verliehen.

Takamatsus Vater wollte, dass sein Sohn zum Militär ging, als er jedoch sah, dass sein Sohn dazu anscheinend nicht die Qualitäten besaß, weil er zu ängstlich und weinerlich war, beriet er sich mit dem Großvater, Meister Toda.

Dieser meinte, dass die Ausübung der Kampfkunst dem Jungen mehr Tapferkeit und Selbstvertrauen vermitteln würde. Von jenem Tag an wurde Takamatsu jeden Abend, wenn er von der Schule zurückkehrte, zum Dôjô seines Großvaters geschickt, um Shinden Fudô Ryû zu lernen.

Die erste Berührung mit den Kampfkünsten

So sahen Takamatsus erste Kontakte mit den Kampkünsten aus. Früher war es üblich, dass ein schon fortgeschrittener Schüler sich der Neuen annahm, doch in diesem Fall kümmerte sich der Meister selbst um Takamatsu, nämlich sein Großvater Toda Sensei. Ungefähr ein Jahr lang übten die anderen Schüler an ihm, und auch wenn ihm das Blut über Ellbogen und Knie rann, machte es ihm niemand leichter. Und nach etwa einem Jahr unter diesen Umständen begann er, seine ersten Techniken zu lernen. Mit 13 Jahren erhielt Takamatsu Sensei die Lehrbefugnis für Shinden Fudô Ryû. Es war damals normal, die Lehrerlaubnis schon so jungen Schülern zu erteilen, da man von jedem erwartete, eifrig weiterzutrainieren, um die Fähigkeiten zu erlangen, die man von ihm erwartete.

Nach Shinden Fudô Ryû unterrichtete ihn sein Großvater in weiteren Formen der Kampfkunst.

1900 kam Takamatsu in die englische George-Bundow-Schule und eine klassische chinesische Schule in Kobe. Er wurde Mitglied im Dôjô Takagi Yoshin Ryû, deren 15. Sôke Mizuta Yoshitaro Tadafusa war.

1904 kam ein Mann in die Streichholzfabrik von Takamatsus Vater, der in Japan berühmt für seine Beherrschung der Kampfkunst war. Er benutzte einen alten bokken aus Eiche zum Gehen. Sein Name war Ishitani Takekage und er arbeitete in der Fabrik als Sicherheitschef. Ishitani Sensei verwandelte einen kleinen Teil des Fabrikgeländes in einen dôjô und brachte Takamatsu die Geheimnisse des Kukishinden Ryû Happo Hiken Jutsu, des Hon Tai Takagi Yoshin Ryû, Gikan Ryû Koppojutsu und des Shinden Muso Ryû bei.

Takamatsu Seinsei in China

Takamatsu Sensei verbrachte auch einige Zeit in China. Man sagt, dass der Grund dafür war, dass er seine Kampffähigkeiten auf die Probe stellen wollte. 1919 soll er nach Japan zurückgekehrt sein. Während seiner Zeit in China erlebt er verschiedene Kämpfe. In einer davon verfolgte ihn ein Soldat auf einem Pferd. Takamatsu Sensei war unbewaffnet, doch in der Nähe lag ein Schwert auf dem Boden. Als der Soldat seine Pistole bereit machte, um Sensei zu erschießen, lief dieser los, rollte sich auf den Boden, nahm das Schwert und schleuderte es so, dass es dem Soldaten den Kopf abhieb.
Eine weitere Geschichte berichtet, wie er in den Bergen von einigen Banditen angegriffen wurde. Er kämpfte gegen sie, bis sie flohen. Einer von ihnen packte Takamatsu am Gürtel. Auf einmal fiel der Bandit zu Boden und bedeckte sein Gesicht. Später berichtete Takamatsu Sensei, er habe nicht gewusst, was er genau getan hatte, aber er habe etwas feuchtes und warmes in der Hand gefühlt. Als er sie öffnete, fand er ein Auge. Sofort leistete er dem Mann erste Hilfe und rettete ihn.

Daten und Fakten aus dem Leben von Takamatsu Sensei:

  • Takamatsu Toshitsugu wurde am 10.März 1887 in Akashi geboren und starb am 2. April 1972 im Alter von 85 Jahren.
  • Man hatte ihn ursprünglich Hisatsugu genannt, er änderte seinen Namen später jedoch unter Verwendung derselben Schriftzeichen (kanji) in Toshitsugu. In seiner Jugend war er auch als Jutaro bekannt.
  • Die Frau von Takamatsu Sensei hieß Tane. Sie bekamen keine eigenen Kinder, weshalb sie ein Mädchen mit dem Namen Yoshiko adoptierten und einen der Brüder von Tane, Chuichi.
  • Takamatsu war technischer Berater für die Zeitschrift „Shinobi no mono“
  • Eine Zeit lang bekleidete er das Amt des Präsidenten der Nippon Sienen Botokukai (des japanischen Jugendkampfkunstverbandes). Landesweit war er als Meister für Jujutsu und Bôjutsu anerkannt.

Der Übergang: Von Takamatsu Sensei zu Yoshiaki Hatsumi (der neue Erbe)

1957 wurde Hatsumi von Takamatsu Sensei als Schüler angenommen. Hatsumi hatte zuvor Kobudo bei einem Lehrer namens Ueno Takashi gelernt. Außerdem trug er verschiedene Kampfkunstgrade in Karate und Aikido sowie den 4. Dan im Judo.

Hatsumi Sensei benötigte von Nodashi aus mit dem Zug 15 Stunden zum Haus von Takamatsu Sensei. In seinen Trainingseinheiten mit Takamatsu Sensei gab es nie Aufwärmübungen. In einem echten Kampf gibt es keine Zeit, um sich aufzuwärmen. Ein echter Kampf ist unerwartet, und es kann sein, dass der Körper noch kalt ist.

Eines Tages saß Hatsumi Sensei in einem Zimmer im Haus seines Lehrers. Irgendwann sagte Takamatsu Sensei, er solle die Augen schließen. Während Hatsumi das tat, verließ Takamatsu Sensei das Zimmer. Hatsumi hörte, wie er die Treppe hinunterging. In diesem Augenblick entspannte sich Hatsumi und Takamatsu griff ihn mit mit einem Schwert an; mit einem vertikalen und einem horizontalen Schnitt. Hatsumi fühlte, dass Gefahr drohte, und wich erst seitlich aus und dann nach vorne. Er öffnete die Augen und sah Takamatsu Sensei mit einem Schwert in der Hand hinter sich stehen und sagen: „Du hast das Gespür.“ Er überreichte ihm das Schwert, das er benutzt hatte. Hatsumi Sensei empfing den Menkyo Kaiden und die Erlaubnis, neue Schulen zu gründen. Takamatsu Sensei sagte seinen Schülern: „Ich habe mich entschieden, mein Werk in die Hände von Hatsumi zu legen. Nun kann ich Toda Sensei, Ishitani Sensei und Mizuta Sensei ihre Güte zurückzahlen.“

Als Takamatsu Sensei starb, führte Hatsumi ein japanisches Ritual durch, bei dem Wasser in den Mund des Verstorbenen gegeben wird. Normalerweise wird dies vom ältesten Sohn durchgeführt, da Takamatsu Sensei allerdings keine Söhne hatte, durfte Hatsumi es übernehmen. Takamatsu Sensei wurde auf dem Friedhof in Nara begraben. Hatsumi Masaaki war der einzige von seinen Schülern, der bei dem Begräbnis anwesend war.